Amoklauf
Es war ein Junge, nicht sehr alt,
gerade in der Pubertät.
Dem Spiel sein Interesse galt,
so wie es vielen Jungen geht.
Die Hausaufgaben stets gemacht,
der Mutter half er, wo es ging.
Und erst, wenn dieses Werk vollbracht,
gab er sich dem Computer hin.
Wenn Mutter seine Stube putzt’,
ihr manches in die Hände fiel.
Und eines Tages, ganz verdutzt,
fand sie bei ihm ein “Killerspiel”.
Die Eltern, außer sich vor Wut,
verstanden nun die welt nicht mehr.
Er ward’ doch immer herzensgut,
wo kamen die Manieren her?
Versuche, ihnen zu erklär’n,
verblieben ungehört verstummt.
“Bleib bloß mit diesen Spielen fern!
Wer diese spielt, ist frech und dumm!”
Als er ganz ruhig und sachlich spricht:
“Was ich dort tu, ist nicht real!”
Schrei’n ihm die Eltern ins Gesicht:
“Ob echt, ob nicht, ist ganz egal!”
Die Eltern schimpften ihn verrückt,
als er erklärt, es sei nur Spaß.
Er zog sich mehr und mehr zurück
und niemand merkt den stillen Hass.
Der Streit behält die Oberhand
und bricht bald immer öfter aus
Der Junge, dessen Wort verkannt’,
hegt Wut auf’s eig’ne Elternhaus.
Des einen Nacht, als alles schlief,
die Welt, sie war so friedlich stumm,
der Junge zu den Eltern lief
und brachte sie im Schlafe um.
Als dies die Nachbarschaft erfuhr,
war’s Klagen schier unendlich groß
“Wie kann das sein, wie kam das nur?
Was war mit diesem Jungen los?”
Doch als der Rechner konfisziert,
fand man den Grund, der gleich gefiel.
Ein jeder eifrig spekuliert:
“Es kam durch dieses Killerspiel!”